Honigtau

Stell dir vor, du liegst an einem warmen Sandstrand, vielleicht unter Palmen, auf deiner Insel. Über dir weiter Himmel, die freundliche Sonne. Vor dir das Meer …

Du spürst den warmen Sand unter dir …

Du hörst den Wind. Er ist angenehm kühl …

Du hörst das Rauschen des Meeres, fühlst die lebendige Kraft und Klarheit des Wassers …

Eine Welle rauscht sanft heran. Du spürst ihre Frische und Kraft … Und sie rauscht wieder zurück, ins Meer … Und wieder rauscht eine Welle heran, läuft sprudeln den Strand hinauf … Und sie läuft wieder zurück, in das Meer …

Von einer Palme tröpfelt Honigtau auf dich herab, tröpfelt ganz langsam auf deine Haut, wie in Zeitlupe. Das fühlt sich gut an …

Eine Schicht von Honigtau umhüllt dich bald ganz. Deine Haut wird wie neu, schön weich und frisch und kräftig …

Was verletzt an dir war, das heilt nun unter dem Honigtau … Vielleicht spürst du, wie er dich sanft durchdringt, wie er dir neue Kraft gibt …

Der Honigtau dringt durch die Poren deiner Haut; er heilt und gibt Kraft …

Die Wärme der Sonne durchdringt dich. Du spürst die Wärme der Sonne auch in dir … Lebendig in dir strömt die heilende Wärme der Sonne …

 

Erstveröffentlichung: Volker Friebel (1995): Welche Farbe hat die Stille? Stuttgart: Trias (vergriffen).