Im Garten der Amseln

Entspannungsgeschichte von Volker Friebel

 

Stell dir vor, du steigst auf der Wolkentreppe langsam zum Wolkenschloss hinauf, Stufe um Stufe. Stell dir vor, wie du mit jeder Stufe ruhiger und freudiger wirst. Schließlich trittst du von der letzten Wolke in den Hof des Schlosses.

Der kleine König Ferdinand empfängt dich im Rosengarten. Mieze ist bei ihm, lässt sich von ihm streicheln und miaut dir königlich zu.

„Ach“, seufzt König Ferdinand, als du zu ihnen getreten bist, „ich wollte so gern eine Amsel sein!“

„Eine Amsel?“, fragst du verwundert.

„Eine Amsel“, nickt Mieze und schleckt sich mit der Zunge über das Maul. „Unser König hörte gestern in einem Film Amseln singen“, schnurrt sie.

„Und nie hörte ich etwas Schöneres!“ König Ferdinand strahlt. „Ich wollte so gern singen können, wie dieser beste Sänger der Welt. Ich wollte mich so gern in die Lüfte erheben und die ersten Sonnenstrahlen bejubeln!“, träumt der kleine König weiter, das Gesicht zum Himmel erhoben.

„Könntest du“, König Ferdinand blickt dich bittend an, „könntest du vielleicht hinunter in die Welt und eine Amsel fragen, wie ich so gut singe? Vielleicht käme eine von ihnen herauf und gäbe mir Gesangsunterricht? Ich zahle gut – ein Goldstück für jede Strophe!“

Du schaust ihn zweifelnd an, aber sagst zu. „Mieze wird dich begleiten“, endet König Ferdinand und seufzt noch einmal.

Ihr steigt die Wolkentreppe hinab und gelangt in den Garten der Amseln.

Die Terrassentür des Hauses steht offen. Mitten auf der Wiese sitzt eine Puppe und blinzelt euch an. „Das ist Prinzessin“, knarrt eine Gestalt neben ihr, „und ich bin Ritter Blech. Willkommen im Garten der Amseln!“

„Ob wir wohl eine der Amseln höchstpersönlich sprechen könnten?“, fragt Mieze höflich und leckt sich die Lippen. „Sie singen so schön!“

„Aber sicher“, knarrt Ritter Blech. „Wenn sich die Dame Katze derweil hinter den Gartenteich begeben möchte – sonst kommen die Amseln nicht her!“

Enttäuscht schleicht Mieze davon.

Als sie in sicherer Entfernung hinter dem Wasser ist, breitet Prinzessin die Arme aus. Eine Amsel fliegt an und setzt sich auf Prinzessins geöffnete Hand. Du lauschst ihrem Lied.

„Ich darf eine Einladung vom kleinen König Ferdinand überbringen“, sagst du. „Er bewundert so sehr euren Gesang. Und so bittet er, dass eine Amsel mit uns hoch zum Wolkenschloss fliegt und ihn singen lehrt.“

Die Amsel flötet weiter ihr Lied.

„Der König bezahlt ein Goldstück für jede Strophe“, fällt dir noch ein.

Die Amsel singt einfach weiter ihr Lied, schöner und schöner. Dann fliegt sie davon, übern Zaun in den Apfelbaum des Nachbarn.

„Ich glaube, die Amseln machen sich nichts aus Gold“, knarrt Ritter Blech. „Vielleicht, wenn du ihr ein paar Mücken oder gar Regenwürmer geboten hättest, wer weiß … Ich selbst bevorzuge ja Schmieröl“, setzt er dazu.

„Woher sollte der kleine König im Wolkenschloss Regenwürmer bekommen?“, überlegst du laut.

„Wenn es im Wolkenschloss keine Regenwürmer gibt, können dort die Wunderflöter, die Amseln, nicht leben“, knarrt Ritter Blech, „ganz gleich wie viel Goldstücke dein König besitzt.“

„Aber sag König Ferdinand dem Kleinen, er kann uns gerne besuchen“, flüstert Prinzessin. „Hier singen die Amseln umsonst.“

Du versprichst, das auszurichten und rufst Mieze. Ihr macht euch auf den Weg zurück.

Die Wolkenstufen geht es Schritt um Schritt höher, zum Wolkenschloss. Mit jeder Stufe merkst du, wie du ruhiger wirst.

Im Wolkenschloss schaust du nach König Ferdinand – aber er nimmt gerade ein Bad. So legst du dich auf das große blaue Sofa und schließt deine Augen.

 

Da liegst du – ganz ruhig. Kannst du die Ruhe in dir spüren? Die Ruhe ist überall in dir. – Kannst du spüren, wie schwer du bist? Dein ganzer Körper ist schwer, angenehm schwer. – Kannst du spüren, wie warm du bist? Die Wärme strömt durch deinen ganzen Körper. Du bist warm, angenehm warm. – Dein Atem geht ein und aus, ein und aus, ganz ruhig und gleichmäßig, ganz von allein. – Du bist ruhig, schwer und warm – ruhig, schwer und warm. – So liegst du ein Weilchen und ruhst dich aus. Du ruhst dich aus und spürst die neue Kraft tief in dir wachsen.

 

Damit kommt die Geschichte langsam zum Ende. Wenn du bereit bist, reckst und streckst du dich und öffnest die Augen.

 

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Eine Geschichte aus dem Buch: Volker Friebel (2019): Entspannungsgeschichten vom Wolkenschloss. Edition Blaue Felder, Tübingen. Mit Illustrationen.

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